Der Prozess der System-Austgellung

Die Beschreibung der problematischen Situation

In dieser Phase beschreibt der Klient die Phänomene, die ihn irritieren und den Kontext, in dem das problematische Verhalten oder die Dynamiken auftreten, die er analysieren und lösen will.

Eine klare Beschreibung des Kontexts ist entscheidend für die Interpretation der System-Aufstellung. Mit seinen Fragen wird der Berater die Beschreibung des Kontexts lenken, indem er einerseits den Fokus auf bestimmte Details legt und andererseits das Gesamtbild erkundet.

Das von uns entwickelte "Epidauros-Modell" bietet einen Leitfaden, um den Kontext auf verschiedenen logischen Ebenen zu erkunden.

Die Zeit ist eine wichtige Dimension in der Beschreibung des Problems: die Erzählung kann die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft betreffen.

Die Definition der relevanten Frage

Die Suche nach einer Lösung wird durch eine Frage ausgelöst und gelenkt. Eine relevante Frage kann mit einer Lupe verglichen werden, die den Punkt auf der Landkarte vergrößert, wo die Lösung gefunden werden kann. Sie enthält implizit oder explizit folgende Kernelemente:

  •              Das Ziel
  •              Die wichtigsten Akteure
  •              Die Art der Handlung
  •              Das Umfeld, in dem die Lösung gefunden werden soll.

Zum Beispiel: "Wie können wir zusammen mit unseren Lieferanten neue Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln?" oder "Wie kann dieses Team die häufig auftretenden Konflikte überwinden und fair miteinander verhandeln?"

Die Frage ist eine Verdichtung des Problems, die bereits Hinweise auf eine Lösung enthält. Sie ist der wichtigste Bezugspunkt für den folgenden Schritt in diesem Prozess.

Beim Arbeiten mit einem Team hat die Frage auch die Funktion, das Denken der Team-Mitglieder auf ein gemeinsames Thema hin auszurichten. Jeder sollte zustimmen, dass die Frage in diesem Moment ihr gemeinsames Hauptinteresse identifiziert.

In den nachfolgenden Phasen können Informationen auftauchen, die zu einer neuen Frage führen. In diesem Fall sollte die ursprüngliche Frage explizit geändert oder ersetzt werden.

Es könnte bereits ein erstes wertvolles Ergebnis einer System-Aufstellung sein, dass eine neue, treffendere und nützlichere Frage gefunden wurde.

Das Erarbeiten eines Modells

Der zentrale Teil einer System-Aufstellung ist die Positionierung von Personen, Symbolen oder Platzhaltern, um die verschiedenen Elemente einer problematischen Situation in ihrem Bezug zueinander darzustellen. Es ist offensichtlich, dass die Auswahl der geeigneten Elemente von größter Bedeutung ist.

Die Auswahl der Elemente folgt entweder intuitiv und ohne Reflektion einem Standardmodell, oder einer bewusst ausgewählten Theorie, die die Art von Phänomenen erklärt, welche in der Problemsituation beobachtet wurden. Eine Theorie beschreibt die Interdependenz zwischen ausgewählten Elementen bzw. Variablen und beschreibt das Zeichen und die Größenordnung der Wechselbeziehungen.

Die Entwicklung des Modells besteht in den folgenden (in der Regel rekursiven) Schritten:

  •  Klassifizierung der problematischen Situation
  •  Wahl der entsprechenden Theorie
  •  Bestimmung der relevanten Elemente der Theorie
  •  Identifikation der konkreten Faktoren, welche in der spezifischen Situation entscheidend sind
  •  Zusammenfassung oder Differenzierung der Elemente, um die Komplexität auf ein optimales Maß zu reduzieren.

Wir können verschiedene Kategorien von Elementen identifizieren:

  1. Ziele
  2. Akteure
  3. internen Kontext Faktoren
  4. externe Kontext-Faktoren

Das Modell sollte zusammen mit dem Kunden entwickelt werden; er muss es verstehen und akzeptieren. Bis zu einem gewissen Grad können verschiedenen Theorien und Modelle kombiniert werden. Das Modell sollte relevanten Informationen liefern, aus denen sich eine Antwort auf die Frage des Kunden ergibt.

Ziele und Akteure sind notwendige Bestandteile eines Modells für eine Management Constellation.

Die szenische Darstellung

Der szenische Teil des Prozesses (die räumliche Darstellung der Situation durch Repräsentanten, die auf Grund des Modells ausgewählt wurden) ist eine Fortsetzung des ko-kreative Prozesses, auf den sich Kunden und Berater eingelassen haben. Mit jedem Schritt werden neue Bereiche des Gehirns aktiviert und vernetzt. Die Deutung und Sinn-Stiftung geht mit jedem Schritt ständig einher. Alle Teilnehmer kommunizieren auf verschiedenen Ebenen miteinander. Wir können sagen, dass ein kollektiver Denkprozess stattfindet, mit der Absicht, die Situation zu verstehen und Lösungen zu finden.

  • Die szenische Darstellung aktiviert verschiedene Ebenen oder Kanäle der Kommunikation:
  • Visuell: die Struktur der Beziehungen zwischen den Elementen kann als Ganzes gesehen und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden.
  • Bewegung: in jeder Position spürt der Repräsentant einen Impuls sich zu bewegen (oder nicht bewegen zu können). Dieser hat eine bestimmte Richtung und Intensität. Außerdem können sie ihre Reaktion auf die Bewegungen oder Äußerungen der anderen Repräsentanten fühlen.
  • Emotionen: bestimmte Emotionen können durch die Position, durch Bewegungen oder durch Aussagen der anderen Akteure ausgelöst werden.
  • Verbal: Die Repräsentanten äußern sich entweder spontan oder auf Nachfrage des Beraters
  • Körpersprache: die mentalen, emotionalen und physiologischen Prozesse werden ebenfalls durch den Körper der Person ausgedrückt.

Diese Kanäle können auch in der üblichen Kommunikation aktiviert sein, aber wie im Theater, nutzten wir sie in der System-Aufstellung explizit und gleichzeitig.

In unserem Ansatz liegt der Sinn einer System-Aufstellung vorwiegend in der Simulation einer Situation, der wir im "wirklichen Leben" begegnen, um:

  •  die gewohnten Verhaltensmuster, die in einem bestimmten Kontext nicht die erwarteten Ergebnisse produzieren, nachzuvollziehen und zu verstehen,
  • alternative Verhalten und Interaktionen zu testen, die wahrscheinlich zu den gewünschten Ergebnissen führen.

Das Konzept der Simulation beruht auf der Annahme, dass organisatorisches Verhalten auf einem kollektiven Programm oder einer mentaler Landkarte basiert. Die Abläufe in der System-Aufstellung sind von der gleichen mentalen Landkarte gesteuert, daher können sie uns Aufschluss über einige der Dynamiken geben, die sich auf Grund dieser mentalen Landkarte ergeben.

Eine weitere Annahme ist, dass durch die Simulation alternativer Verhaltensmuster in der System-Aufstellung die mentalen Landkarten aktualisiert werden. Ob diese Änderung der mentalen Landkarte im Langzeitgedächtnis beibehalten wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die noch erforscht werden sollten.

Deutung der System-Aufstellung

In einen Management-Kontext, besonders beim Arbeiten mit einem Team, ist es wichtig, die Deutung der Erfahrung in der System-Aufstellung zu begleiten. Der Austausch über die Erlebnisse während der szenischen Arbeit sollte einer dialogischen Haltung erfolgen. Forschungen über den Sinn-Stiftungsprozess haben gezeigt, dass Menschen eine starke Tendenz haben, neue Erfahrungen in alte Deutungsschemata einzuordnen, anstatt ihre Handlungstheorien aufgrund der neuen Erlebnisse abzuändern. Diese Tendenz ist innerhalb von Gruppen noch stärker als bei Individuen.

Der Berater oder Coach sollte die Kunden dabei unterstützen, eine möglichst präzise Vorstellung zu entwickeln, wie die neue Informationen zu einem neuen Verhalten und Handeln in der täglichen Praxis führen wird. Die "Rooms of Change"-Matrix ist ein hervorragendes Instrument für diese Phase: damit kann der Klient herausfinden, in welcher Haltung (im welchem "Zimmer" er sich derzeit befindet und die entsprechenden Maßnahmen beschließen.

Damit wir die Positionen im Raum deuten können, benötigen wir bestimmte Referenzpunkte. Es gibt in System-Aufstellungen mehrere Möglichkeiten, Referenzpunkten einzuführen:

  • als Markierung eines Rasters, einer Grenze oder einer Zeitlinie am Boden
  • durch fix aufgestellte Repräsentanten
  • durch die imaginäre Achse Klient – Ziel

Die Ausrichtung auf ein Ziel ist ein wesentliches Merkmal von Management Fragen.

 

 

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